Was ist DSS?

Die Idee

Bei der jährlich stattfindenden Deutschen Sommerschule (DSS) handelt es sich um ein intensives Programm, das den TeilnehmerInnen ermöglichen soll, die deutsche Sprache durch praktische Anwendung zu erlernen und außerdem in einen intensiven Austausch mit Westeuropa zu kommen. In diesem Jahr findet die DSS, wie bereits 2009 etwa eine halbe Autostunde von Lemberg / Lviv entfernt statt.
Die DSS bietet den Studentinnen und Studenten, ebenso wie für die freiwilligen LehrerInnen eine einzigartige Möglichkeiten für ernsthaftes Arbeiten, geistliche Erfahrungen, intensiven Austausch und Freizeitspaß. Das Projekt wird von der Ukrainischen Katholischen Universität (UKU) und dem deutschen Hilfswerk „Renovabis“ unterstützt.
Die Sommerschule verfolgt drei miteinander in Beziehung stehende Hauptziele:

  1. Für die Studierenden eine deutschsprachigen Umgebung schaffen, so dass sie sich zukünftig in einem deutschsprachigem Land sicher bewegen können.
  2. Das gemeinsame spirituelle Wachsen durch freiwillige gemeinsame Gebete, offene Diskussionen über philosophische, religiöse und ethische Themen und die Möglichkeit die byzantinischen Traditionen des Christentums kennen zu lernen.
  3. Den kulturellen Austausch in einem von Freundschaft geprägten Miteinander zum beiderseitigen Nutzen.

Die Geschichte

Die Idee einer deutschsprachigen Sommerschule in Gallizien wurden ursprünglich von StudentInnen mitgebracht, die einige Zeit in Deutschland verbracht hatten. Sie erkannten die Notwendigkeit, die Lernmöglichkeiten der deutschen Sprache auszubauen, um die Menschen wirklich darauf vorzubereiten, diese Sprache alltagstauglich zu erlernen. Damit rannten Sie offene Türen ein, denn noch heute sind viele Westukrainer der Ansicht, dass die Zeit der Zugehörigkeit zu Österreich-Ungarn die Glanzzeit Galiziens war. Die Affinität zur deutschen Sprache und die Verbundenheit zum Kulturraum war also da.

So konnte die erste Sommerschule im August 2002 in Pidkamin, einer Kleinstadt etwa 50km östlich von Lviv, mit einer ehrwürdigen Abtei, stattfinden. Auch 2003 und 2004 fand die Sommerschule dort statt.
2005 fand die Sommerschule erstmals an anderer Stelle statt: Diesmal versammelten sich StudentInnen und LehrerInnen außerhalb von Nowojaworiwsk, einer Stadt mit rund 25.000 Einwohnern, die westlich von Lviv liegt.
2006 kehrte man wieder nach Pidkamin zurück, um 2007 erneut nach Nowojaworwisk zu wechseln.
2008 mußte die Sommerschule kurzfristig abgesagt werden. Die Finanzierung konnte nicht sichergestellt werden.
2009 schließlich fand die Deutsch(e) Sommerschule in Brjuchowytschi, einem schönen, und aufstrebenden Vorort von Lviv, statt. Hier soll sie auch 2010 stattfinden.
Im Laufe der Zeit haben zahlreiche SchülerInnen und LehrerInnen die DSS besucht, bereichert und geprägt. Das gleiche gilt umso mehr für die – in der Regel dreiköpfige – Administration. Leider ist im Laufe der Zeit zu einigen von Ihnen der Kontakt verloren gegangen. Sollten Sie ein Alumni der DSS sein, so bitten wir Sie, wieder mit uns in Kontakt zu treten und sich unter einer der Adressen oder Nummen zu melden.

Das akademische Programm

Am ersten Tag werden die Studierenden werden nach der Auswertung ihrer Bewerbungen, eines schriftlichen und mündlichen Tests in Gruppen eingeteilt um jeder/jedem StudentIn das bestmögliche Lernprogramm zukommen zu lassen. Spätere Umgruppierungen sind möglich, aber die Ausnahme.

Die Gruppen werden in der Regel von zwei LehrerInnen geleitet, die den Unterricht abwechselnt und/oder gemeinsam durchführen. Pro Gruppe sollen nicht weniger als vier und nicht mehr als neun Studierende entfallen.

Die DSS verfügt über eine eigene Bibliothek, in der Unterrichtsmaterial (Lehr-, Grammatik-, Übungs- und Lesebücher) bereitgestellt werden. Eigenes Materiel in jeder Form (auch Videos u.ä.) ist herzlich willkommen!
Die erste Stunde wird dem Eveangeliumstext des folgenden Tagesles gewidmet, damit die Studierenden in der Lage sind, diesen zu verstehen und der Predigt darüber zu folgen. Unbekannte Wörter aus diesen in der Regel vertrauten Texten werden erklärt. Oft bieten sich diese Texte als Anstoß zu einer Diskussion an.
Die folgenden zwei Unterrichtseinheiten (UE) vor dem Mittagessen dienen dem Aneignen von Grammatik und Vokabeln, sowie dem Verbessern der Kommunikationsmöglichkeiten.
Nach dem Mittagessen wechseln die LehrerInnen die Klassen. Die StudentInnen sollen mit anderer Aussprache, anderen Herangehensweisen, anderen Ideen konfrontiert werden. Auch aus pädagogischer Sicht ist dies sinnvoll um die Aufmerksamkeit zu stimulieren. In der Lesestunde sollen Aussprache, Umgang und Verständnis von Texten gefördert werden. Auch hier bieten sich natürlich wieder Diskussionsstoff, sowie reichlich Möglichkeiten, den Wortschatz zu erweitern. Der Schwerpunkt hier liegt hier aber – anders als während der ersten Stunde – auf Aussprache und Textverständnis.
Die letzte Stunde des Tages soll LehrerInnen und StudentInnen die Möglichkeit geben, sich nach den eigenen Interessen zu orientieren. Die Lehrenden sind nun gehalten, jeweils ein Thema anzubieten. Die Studierenden sollen frei und nach eigenem Interesse und soweit möglich unabhängig vom Sprachniveau wählen können. Diese Themen werden dann jeweils eine ganze Woche in der letzten Stunde behandelt. Den Themen sind hierbei keine Grenzen gesetzt; ein paar Beispiele aus vergangenen Jahren mögen dies illustrieren: Geschichte und Gegenwart der EU, Geopolitische Überlegungen, Deutsche Volkslieder, Einführung in byzantinische Spiritualität, Mönchtum und Liturgie, Singen von modernen Gesängen, Vergleich der Schulsysteme in der Ukraine, Deutschland und Österreich, beliebte Sportarten in Europa, ökonomische und juristische Fragen in Bezug auf die EU, Theatergruppe, Backen nach klassischen (deutschen) Rezepten, Geld und Wirtschaft, Sketche, Flüchtlings- und Migrantenproblematik, Cartoons, Grundlagen und Ethik der Atomphysik und noch vieles mehr. Der Phantasie sind beinah keine Grenzen gesetzt!
Der Begriff „Lehrer“ und „Student“ sollen dabei nie überbewertet werden. Es sei weiterhin darauf hingewiesen, daß der Schwerpunkt nicht so sehr auf „formalen“ Lehren zu liegen sollte, sondern daß Interaktionen, Rollenspielen und Kommunikationsübungen etc. ein breiter Raum gewährt werden kann.
Kleine Tests und Hausaufgaben (Die Lehrer sollen den Studenten regelmäßig Fragen und Themen für die Hausaufgabe stellen, um den Umgang der geschriebenen Sprache zu üben. Gelegentlich können auch andere Hausaufgaben gegeben werden.) sollen die Studierenden aber auch daran erinnern, dass sie sich zu einer Schule und nicht zu einem Freizeitcamp angemeldet haben. Die richtige Balance zwischen Spaß, Liberalität und Freizeitvergnügen einerseits und den Mühen einer Schule muß jede/r LehrerIn ganz individuell für sich finden.
Am Ende der Schule wird es darüber hinaus noch eine Abschlußprüfung geben.
In die Benotung der StudentInnen sollen nicht nur Sprachkenntnisse und –erwerb einfließen, sondern auch das Verhalten, Engagment und Pünktlichkeit in der Klasse und im Gottesdienst, die Hausaufgaben, Fleiß, Hilfsbereitschaft und anderes mehr. Wie in Mitteleuropa üblich kommt die Abschlussnote nicht rechnerisch zustande. In Zweifelsfällen kann mit der Leitung und/oder Lehrerkollegen Rücksprache gehalten werden.

Das spirituelle Programm

Der zweite Schwerpunkt der DSS ist wie eingangs bereits erwähnt, spiritueller Art. Das ist nicht nur für die Studenten, sondern auch für die Lehrenden von Bedeutung. Für viele römisch-katholische oder evangelische Lehrer wird die Byzantinische Liturgie eine neue Erfahrung sein. Diese Tradition ist reich und wunderbar und hat allen Christen viel anzubieten.

Der Tag beginnt mit der Göttlichen Liturgie. Die Eucharistie als Gemeinschaft zu feiern, ist nicht nur ein großartiger Beginn für den Tag, sondern sie erinnert jeden von uns daran, zu lieben, zu beten und zu dienen. Vor dem Mittagessen wird ein zehnminütiges Gebet (Sext) gefeiert und die Vesper vor dem Abendessen. Die Lehrenden, die aktiv an dem spirituellen Ablauf teilnehmen, werden die wahrhaftige Gegenwart des Heiligen Geistes erfahren und erneuert in der Liebe zu Gott und was es bedeutet, Ihm als Christ zu folgen.

Freizeit und gemeinsame Programme in der Schule

Das Abendprogramm ist eine Mischung aus Gruppenaktivitäten, geistlichem Programm, Studium und Sport. Auch hier sind Ideen von Seiten der Lehrer gefragt! In den vergangenen Lagern hatten wir zum Beispiel Lagerfeuer, sportliche Wettkämpfe, Tanzen, Talentshow, Sketche…. (Die Wahlfächer können zur Vorbereitung dieses Programms herangezogen werden.) Trotz „entspannter“ Atmosphäre sollte das Erlernen der deutschen Sprache nicht vergessen werden!